Beratung.Coaching.Therapie

Paarberatung Hamburg, Dr. Elmar Basse

Das Online-Handbuch “Lieben und Streiten”

Dr. Elmar Basse. - Psychologische Praxis für Beratung, Coaching und Therapie.
Paartherapie, Eheberatung, Partnerschaftsberatung.
Glockengießerwall 17, 20095 Hamburg, Tel. 040-33313361
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Doch was die Frustration noch vergrößert: Der andere gesteht das nicht einfach ein, stellt seine eigene Sichtweise dar, verteidigt das eigene Handeln sogar. Und das Frustrierende daran ist: Warum sieht er (sie) es nicht ein, daß er falsch gehandelt hat? Warum redet er sich heraus? [Um der Lesbarkeit willen wird in diesem Handbuch auf ausdrückliche geschlechtsspezifische Pronomen verzichtet; es ist aber immer das andere Geschlecht mitgemeint.]

Wir lernen von Kindesbeinen an: Über Konflikte soll man sprechen. Wir sollen darüber diskutieren, einer den andern zu überzeugen versuchen, das bessere Argument soll gewinnen. Von seiten der Wissenschaft wird gefordert: ”Alle Konflikte sollen in argumentativen Diskursen ausgetragen werden!” (2)

Dahinter steckt der Leitgedanke: Man müsse doch zu einem Konsens gelangen, wenn man nur lange genug diskutiere und alle Beteiligten den Konsens wirklich wollen.

Nur läßt sich eben beobachten, daß das Gespräch den Streit oft verschärft. Daß es nur zu oft nicht gelingt, den anderen zu überzeugen von dem, was man selbst für das Richtige hält.

Und schnell bei der Hand ist dann die Erklärung: Der andere will ganz offenbar nicht. Er zeigt sich verstockt, weil er nun einmal verlogen ist, weil er zu stolz ist, weil er einfach nichts zugeben will ... – weil er mich nicht liebt. Das ist ein typisches Muster in Eheberatung und Paartherapie.

Wenn das Gespräch zu scheitern droht, wenn jeder die eigenen Argumente auftischt und Konsens nicht erreichbar scheint, dann wird der andere als Person diskreditiert.

Doch könnte es nicht anders sein? Vielleicht hat der Gesprächspartner keine schlechteren Motive als ich. Vielleicht will er mir nichts Böses, und daß wir zu keinem Konsens gelangen, muß vielleicht gar nicht bedeuten, daß der eine den andern nicht liebt. Vielleicht ist es einfach so, daß das Diskutieren als solches den Konsens nicht erzwingen kann.

Wo es um Tadel und Vorwürfe geht, ist die Situation nicht entspannt. Denn auf dem Spiel steht ja die Frage, ob ich ”lieblos” gehandelt habe. Das verschärft die Diskussion, es gibt der Empörung, dem Tadel sein Futter. Und es führt den Partner dazu, daß er sich verteidigen will, um nicht als lieblos dazustehen.

Und könnte es denn da nicht so sein, daß der Partner, der sich verteidigt, tatsächlich subjektiv überzeugt ist, daß er gar nicht lieblos war? Lassen Sie uns genauer betrachten, warum es so schwer ist, zum Konsens zu gelangen, und warum Diskurse dazu tendieren, sich bis ins unendliche fortzusetzen.

(2) K.O. Apel, in: Diskussion. Ethik und Politik heute, S. 76

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